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Warum eine Ketch segeln?

Welches Boot ist für mich das Richtige?

Dies Frage kann sich jede nur selber beantworten. Dafür gibt es viel Aspekte und persönliche Vorlieben.

Vielleicht kann euch dieser Beitrag bei der Entscheidung helfen.

Ein paar Gedanken zum Thema aus dem Netz, mit Eigenerfahrung ergänzt.

1.

Der geteilte Segelplan lässt einfach bequemere und auf Dauer Materialschonendere Veränderungen der Segelfläche zu. 

2.

Der Druckpunkt liegt niedriger, gerefft wird dadurch später. 

3.

Der Druckpunkt liegt weiter achtern und dadurch kann im Verhältnis eine grössere Vorsegelfläche gefahren werden als bei einer Slup.

4.

Toppgewicht ist weiter unten und dadurch der Pendelhub desselben weniger ausgeprägt. 

 

Näher erläutert!

Bei einem Neubau sind die zusätzlichen Kosten eines Besan sicherlich ein guter Grund, auf diesen zu verzichten. Bei Kauf eines Gebrauchtbootes, besonders von älteren Booten, ist dieser Preisunterschied aber oft praktisch nicht mehr zu erkennen. Bei identischen Booten ist die Sloop oft teurer, weil andere Faktoren eine grössere Rolle spielen, als das Rigg.

 

Die Einfachheit der Bedienung durch geteilte und damit kleinere Segelflächen ist nicht so recht nachvollziehbar. Als Beispiel mein Boot, dass sowohl als Ketch wie auch als Sloop verkauft wurde. Hier ist die Flaeche des Grosssegels nur 15 % geringer, als die der Sloop, die Vorsegelfläche ist keine 10 % kleiner. Auch die Hoehe des Grossmastes ist weniger als 10 % niedriger als die der Sloop. Bei Booten um 10 m Länge spielt das wohl kaum eine Rolle.

 

Der Besan sollte 25 % der restlichen Amwindsegelfläche ausmachen, besser 35 %. Dann, und wenn die anderen Faktoren stimmen, kann die Ketch einer Sloop auch am Wind überlegen sein. Raumschots ist die Ketch einer Sloop aus mehreren Gründen überlegen. Zum einen ist die Segelfläche grösser – bei meinem Boot etwa 7 %, und der Segelschwerpunkt liegt niedriger. Damit wird weniger Krängung erzeugt, das Boot wird schneller. Wenn dazu ein Besanstagsegel gefahren wird, ist die Sloop chancenlos. Vor dem Wind verliert der Besan, da die vorderen Segel abgedeckt werden.

 

Ein weiterer Punkt ist die Variabilität der Segelfläche. Raumschots mit Spinnaker und Besanstagsegel ist die Ketch unschlagbar. Frischt der Wind auf, kann das Besanstagsegel geborgen werden, der im Vergleich zur Sloop normalerweise kleinere Spinnaker kann laenger gefahren werden. 

 

Nur unter Vorsegel und Besan segelt die Ketch sehr ausgeglichen, man kann daher durch das Bergen des Grosssegels sehr schnell und einfach die Segelflaeche den Windbedingungen anpassen.

 

Ein anderer Punkt ist, ob der zusätzliche Mast, wenn durchgesteckt, was vorteilhaft für den Gewichtsschwerpunkt ist, die Inneneinrichtung stört. Auch das Deckslayout kann mit dem zusätzlichen Mast gestört werden, weil z.B. der Platz fuer die Rettungsinsel weggenommen wird, kann aber auch von Vorteil sein, z.B. beim riggen eines Sonnendachs. 

 

Der Besan ist ein ziemlich idealer Platz für das Radar.

 

Am Besan kann vor Anker ein kleines Segel geriggt werden, um das Schwojen zu verringern.

 

Wenn der Besan unabhängig vom Grossmast geriggt ist, gibt das eine Sicherheitsreserve bei Verlust eines Mastes.

 

Über die Ästhetik muss aber jeder für sich entscheiden. Mein nächstes Boot, wenn es kein Neubau wird, ist jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit wieder eine Ketch.

 

Bernard Moitessier hatte mit seiner Umseglung des Kap Horns in einer Ketch die Langstrecken- und Schwerwettertauglichkeit eines solchen Riggs bewiesen.

Aufgrund dieses Beispiels und seiner weltweiten Popularität war einfach eine Nachfrage für Ketchgeriggte Boote entstande.

 

Da der Segeldruckpunkt bei einer Ketsch deutlich tiefer liegt, ist das seeverhalten des Schiffes bei Starkwind und Sturm - vor allem in den Böen und Windstössen - wesentlich gutmütiger und stabiler. 

 

Ob Mensch das mag oder nicht, hängt sicherlich auch vom Revier ab. Im westl. Mittelmeer zum Beispiel ist es wohl allemal von Vorteil. 

 

Das Besansegel verwende mann gern ausschliesslich zu Trimmzwecken. Hoch am Wind wird das Segel so gefahren, dass das Ruder mittschiffs steht, also keinen Druck hat. Nimmt der Wind zu, wird das Schiff luvgierig also nimmt man den Besan weg. Kommt mehr Wind auf, steckt mann Reff eins ins Groß, bei noch mehr Wind Reff 2(bft um 6 - 7) oder es wird das Groß geborgen und der Besan wieder gesetzt. 

Erst dann beginnt man, das Vorsegel Zug um Zug zu verkleinern. 

Bei Vorwindkursen bleibt der Besan auf dem Baum, dafür setzt man den Blister. 

 

Zittat eines Ketch Seglers: „Das Besanstagsegel habe ich sein Jahren nicht mehr aus dem Sack geholt.

Nachdem ich das Schiff zu 95% allein segle, schwöre ich auf die getrennten Segelflächen einer Ketch.“

 

Natürlich kann mann sich mit einem Langkieler mit 50% Ballast im Kiel erheblich mehr zutrauen, als mit einer modernen Sloop.

Und wenn die ganze Fuhre zu langsam ist, oder zu wenig Höhe läuft, dann dreht man am Zündschlüssel und lässt den Diesel mitlaufen.

Aber ist das dann noch segeln?

 

Ein erfahrener Ketch Segler meint dazu :…. 

 

1. Ich habe Seesegeln auf einer Suncoast 40 - kuttergetakelte Ketsch - gelernt. Nix mit Rollanlagen oder dgl. ungemein flexibel, was Segelflächen angeht. Vorsegelkombinationen von der 150 % Genua über diverse Focks, teils noch mit zusätzlichem Klüver bis hin zur Sturmfock wurden nicht gerefft, sondern komplett getauscht oder halt weg genommen. So bis 5 Bft. wurde zumeist mit Fock, Klüver, Gross und Besan gesegelt. 

Darüberhinaus dann ohne Klüver. Ab guten 6, beginnenden 7 dann ohne, zumeist ohne Gross. Sprich, das Grossegel wurde gemeinhin nicht gerefft, sondern bei zu viel Wind einfach komplett weggenommen. 

Das ist meines Erachtens materialschonend. 

 

2. Natürlich eine Frage der Gesamtstabilität, aber es ist nunmal so, das eine Ketsch gemeinhin einen kürzeren Grossmast hat und dadurch der Hebel des Toppgewichtes geringer ist, da der Gesamtschwerpunkt des Riggs - auch mit Besan - deutlich niedriger. Durch den niedrigeren Druckpunkt der Segelfläche ist eine Beeinflussung auch rein theoretisch erst später notwendig und erklärt auch unter Punkt 1 genanntes Verhalten. 

 

 

Sloop-Takelung klassisch refft von vorne nach hinten. 

Sloop- Takelung modern refft Grossegel, dann Vorsegel ( der Trend geht ja inzwischen wieder zu kleineren Vorsegeln ). 

 

Ketschtakelung refft - wie oben beschrieben - erst vorne soweit zusammen, bis ein ausgeglichenes Verhältnis in der Segelfläche hergestellt ist und nimmt dann zweckmässigerweise einfach das Grossegel weg. 

 

Der Druckpunkt wird dabei kaum verändert, da der Besan das Vorsegel bei guter Riggkonstruktion ausgleicht. 

 

Aus Erfahrung: unter diesen Bedingungen laufen Ketsch-getakelte Schiffe super auch bei ganz viel Wind. Gilt nur bei Starkwind ? 

 

Ich denke nicht. Bei der Suncoast war die grösste Leichtwind - Genua etwa doppelt so gross wie die Segelfläche aus Gross und Besan zusammen, dieses Verhältnis ist bei einer Sloop nicht fahrbar, da durch ein stark überlappendes Vorsegel der Druckpunkt einfach zu weit nach hinten wandern würde ( speziell bei den neuen Konstruktionen mit weit vorne stehendem Mast und relativ kleinem Vorsegeldreieck ). 

 

Deshalb-> im Vergleich zur Sloop-Takelung kann ein grösseres Vorsegel gefahren werden. ( s. auch Segelflächen HR 49, Ketsch = 46 qm Gross zu 56 qm Vorsegel, Sloop = 55 qm zu 61 qm )Wird hier allerdings der Besan hinzu gerechnet, wird das Verhältnis bei der Ketch 61 qm zu 56 qm. 

 

3. Vielleicht hat der Besan sogar noch mehr Gewicht, aber - Hebelgesetz - ein Kilo am Masttopp sind 10 kg am Kiel. Denke, da sind wir uns einig.

Das gilt jedoch nur, wenn der Mast 10 Meter vom Drehpunkt in der Horizontalachse und der Schwerpunkt des Kiels 1 Meter vom selbigen entfernt ist. 

 

Auf einer Wippe z.b. - beide Seiten gleich lang - brauchst Du auf beiden Seiten nur 1 kg, um das Verhältnis ausgeglichen zu haben. Ist die Wippe auf einer Seite nun 2 Meter und auf der anderen Seite nur 1 Meter lang, brauchst Du auf der kurzen Seite 2 kg, um die 1 kg in 2 M Abstand auszugleichen usw. Das Gewicht dieses Beispiels setzt sich beim Schiff aus tatsächlichem Gewicht und Winddruck zusammen. 

 

Daraus folgert zwangsläufig, das zwei gleiche Schiffe, das eine mit niedrigerem Mast, das andere mit höherem, unterschiedliche Hebelwirkungen - und damit Krängungsverhalten - bei gleichem Gesamtdruck auf den Hebel des Riggs haben. Das Schiff mit dem niedrigeren Mast hebelt weniger -> hat weniger Krängung -> liegt ruhiger. 

 

Der oben angeführte Vergleich von Segelflächen macht nur dann Sinn, wenn auch die dazugehörige Mastlänge angegeben wird. 

 

Bei der 49 auf der HR Seite nicht der Fall, bei der 42 Enderlein findet man jedoch die Angabe, das der Grossmast 1,42 Meter länger ist. 

 

ERGO: wer auf einer Ketsch ohne Besan unterwegs ist, fährt entweder bei Leichtwind oder hat schlichtweg die Vorteile eines Besans nicht erkannt.

Ausgeglicheneres Druckverhältnis zur Vorsegelfläche ist der Hauptaspekt eines Besans, nicht das einfachere Handling. 

 

Wir hoffen es war nich zu technisch, im Fokus sollte stets die  "Freude am segeln" stehen.

 

Wir wünschen euch immer viel Spaß beim segeln ob Ketch oder Slup das ist jedem selbst überlassen..

Einfach nur genießen wenn der Flautenschieber aus geht und wir von den Elementen getragen ganz nah an der Glückseligkeit sind.

 

Kurt Tucholsky sagte einmal: "Entspanne dich. Lass das Ruder los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön".